Gesellschaftliches Engagement

Großer Motivationsschub

Dieses Jahr wurden mit dem Otto-Dix-Abiturpreis in Baden-Württemberg 185 Gymnasiast*innen ausgezeichnet, die im Kernfach Bildende Kunst in der Kursstufe konstant sehr gute Leistungen erbrachten.

Der Preis, der mit Unterstützung der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank BW realisiert wird, beinhaltet neben einer Urkunde und einem Einkaufsgutschein für künstlerischen Bedarf den eigens zu diesem Zweck geschaffenen Museumsführer „Otto Dix in Baden-Württemberg“ sowie die zweijährige Mitgliedschaft im Förderverein Museum Haus Dix Hemmenhofen. Die Ausschreibung erfolgt durch das Kultusministerium Baden-Württemberg.

Abiturpreise gibt es viele. Schulabgänger*innen in Deutschland erhalten sie für besondere Leistungen in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Deutsch. Musikalische und sportliche Jungtalente werden ausgezeichnet, und sogar der Religionsunterricht steht auf der langen Liste. Nur die Bildende Kunst schien lange Zeit rätselhafterweise vergessen. Erst seit dem letzten Jahr schließt der Otto-Dix-Abiturpreis endlich diese Lücke – zumindest in Baden-Württemberg. Die Idee kam vom Förderverein Museum Haus Dix Hemmenhofen. Es war eine Art Jubliäumsgeschenk für den eigenwilligen Künstler, dessen Todestag sich 2019 zum 50. Mal jährte.

160 Mal wurde der Preis zur Premiere 2019 vergeben. Ebenso viele Gymnasien im Bundesland, die ein Kunstabitur anbieten, hatten jeweils eine Schülerin oder einen Schüler nominiert. Zu den allerersten Preisträger*innen gehört die heute 18-jährige Nina Eschenbacher. „Während meiner Schulzeit wurde das Fach Bildende Kunst immer ein bisschen belächelt“, erinnert sich die junge Konstanzerin. Der Otto-Dix-Abiturpreis, so glaubt sie, werde künftig für mehr Anerkennung sorgen. Es sei ein wertvoller Moment gewesen, in dem sie von ihrer Auszeichnung erfuhr: „Ich hab’ gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd und es war für mich ein großer Motivationsschub.“

Schon als Dreijährige schwang die kleine Nina in einem Kinderatelier Stifte und Pinsel. Als sie mit 7 Jahren für die Gruppe zu alt wurde, wechselte sie sofort zu einem ähnlichen Angebot an einer Kunstschule: „Nicht auf Betreiben meiner Eltern, sondern weil ich das unbedingt wollte“, wie sie betont. Nach einem Orientierungsjahr an der Kunstschule Bodenseekreis in Meersburg strebt sie nun ein Architekturstudium an. „Mich fasziniert es, dass sich in der Architektur Kunst und Technik vereinen“, erklärt sie die Gründe. Sie wolle gerne mitwirken an einer Zukunft, in der gerade in den Großstädten auf immer weniger Fläche Wohnräume geschaffen werden müssten, in denen sich die Menschen wohlfühlen. Die Malerei werde sie dennoch bestimmt nicht aufgeben.

Um den Paten ihres Preises besser kennenzulernen, fuhr Nina Eschen-bacher ins Stuttgarter Kunstmuseum, das eine bedeutende Sammlung von Dix-Werken besitzt. „Ich denke, niemand kann an seinen Bildern einfach vorbeilaufen, man muss stehenbleiben und sie längere Zeit ansehen“, beschreibt sie die Begegnung. Der Künstler beschönige die Welt nicht und habe seine ganz eigene Wahrnehmung von Menschen sichtbar gemacht. Ihr Lieblingsbild: Das Porträt der Journalistin Sylvia von Harden.

Dieses Jahr wurden mit dem Otto-Dix-Abiturpreis in Baden-Württemberg 185 Gymnasiast*innen ausgezeichnet, die im Kernfach Bildende Kunst in der Kursstufe konstant sehr gute Leistungen erbrachten. Der Preis, der mit Unterstützung der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank BW realisiert wird, beinhaltet neben einer Urkunde und einem Einkaufsgutschein für künstlerischen Bedarf den eigens zu diesem Zweck geschaffenen Museumsführer „Otto Dix in Baden-Württemberg“ sowie die zweijährige Mitgliedschaft im Förderverein Museum Haus Dix Hemmenhofen. Die Ausschreibung erfolgt durch das Kultusministerium Baden-Württemberg.

Ich stehe vor der Landschaft wie eine Kuh

„Ein schönes Paradies. Zum Kotzen schön. Ich müsste in die Großstadt! Ich stehe vor der Landschaft wie eine Kuh.“ Dies schrieb Otto Dix über die Bodensee-Halbinsel Höri, auf der er ab 1936 bis zum seinem Tod im Jahr 1969 wohnte. Nachdem der Künstler 1933 mit der Machtübernahme der Nazis seine Professur in Dresden verloren hatte, zog er sich mit seiner Familie erst nach Randegg bei Singen und dann ins idyllische Dorf Gaienhofen-Hemmenhofen zurück. Die reizvolle Villa, die seine Frau Martha dort für die Familie erbauen ließ, ist seit 1991 ein Museum.

„Der Ort liegt direkt an der Schweizer Grenze und bot auch anderen als entartet gebrandmarkten Künstlern wie Erich Heckel und Max Ackermann Unterschlupf“, erzählt Michael Horlacher. Als Vorstandsmitglied des Fördervereins Museum Haus Dix war er die treibende Kraft hinter der Schaffung des Otto-Dix-Abiturpreises, der das Andenken an den Künstler lebendig hält.

Die Stimme von Jan Dix, einem der beiden Söhne des Malers, begleitet jährlich bis zu 15 000 Besucher per Audioguide durch die denkmalgeschützten Räume, deren Originaleinrichtung teilweise erhalten werden konnte. Vom Museumscafé und der Terrasse aus kann man die von Dix anfangs so wenig geschätzte, herrliche Aussicht auf den See genießen.

Öffnungszeiten und weitere Infos unter foerderverein-museum-haus-dix.de und kunstmuseum-stuttgart.de

Das könnte Ihnen auch gefallen