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Lachen ist die letzte Waffe, die uns bleibt

Seit 1984 präsentiert Michael Panzer als „Frl. Wommy Wonder“ und „Elfriede Schäufele“ Unterhaltung mit Haltung. Die Kunstfiguren des gebürtigen Oberschwaben mit abgeschlossenem Studium der katholischen Theologie und Germanistik sind Kult. Rund 3000 Mal ist er bis heute in Deutschland und im europäischen Ausland aufgetreten. Mit der SpardaWelt sprach der Künstler über Auftritte vor Autos, Theater zu Corona-Zeiten, seine drei Persönlichkeiten, Menschen, die ihm imponieren und Fragen, die er nicht mag.

Wie hat Frl. Wommy Wonder den Lockdown verbracht?

Wie jedes brave Mädel, das sich an die Vorschriften hält, zu Hause. Aus dem Vorsatz, das heimische Refugium auf Vordermann zu bringen, ist aber leider nix geworden. Auch ohne Auftritte gab es jede Menge Büroarbeit. Zum Beispiel mit der Verwaltung von Absagen …

Wie haben Sie Ihre jüngsten Auftritte in den Autokinos erlebt?

Autokinos waren für mich eine Art Hassliebe. Auf der einen Seite: Wenn nichts anderes möglich ist, dann freue ich mich über jeden Veranstalter, der mir eine Auftrittsmöglichkeit verschafft und bin dankbar für jeden Besucher, der mir so seine Solidarität beweist. Beides ist ein Zeichen von Wertschätzung. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich Auftritte im Autokino komplett unehrlich anfühlen. Man hofft, dass man die Pausen richtig setzt, weil man ja nicht weiß, wer an welcher Stelle wie lange lacht. Mir fehlt da die direkte Kommunikation und das Pingpong mit dem Publikum. Außerdem schaue ich lieber in Gesichter als in Autoscheiben.

Wie läuft die Saison im Theater der Altstadt für Sie?

Ich freue mich riesig, auch wenn es wegen der Corona-Bedingungen wohl ein Draufzahlgeschäft wird. Aber alles ist besser als zu Hause zu sitzen und sich unnütz zu fühlen. Es wäre schön, wenn die Politik ihr Versprechen einlösen und die durch fehlende Sitzplätze entstehenden Einnahmeausfälle kompensieren würde. Das Team im Theater ist aber wunderbar, alle halten zusammen und sind überzeugt, das Richtige zu tun, weil Menschen gerade jetzt etwas Abwechslung vom Alltag brauchen. Dieses Gefühl schweißt uns zusammen und treibt uns an.

Wenn Michael Panzer, Frl. Wommy Wonder und Elfriede Schäufele in einem Parallel-Universum, in dem so etwas möglich wäre, zu dritt an einem Tisch sitzen könnten: Würden sie sich gut verstehen? Oder würden sich die beiden resoluten Damen in die Kunststoffhaare kriegen und Michael unterbuttern?

Wow, vielen Dank, das ist mit Abstand die beste Frage, die man mir in den letzten Jahren gestellt hat, Kompliment! Ich weiß nicht, wie das Treffen ausgehen würde. Vom Humor sind sich alle drei ähnlich, sie haben aber andere Ausprägungen. Wo Elfriede etwas volksnah derb auftritt, zeigt sich Wommy tiefsinnig und Michael ist irgendwie beides. Wo Michael zu schüchtern ist, wahrt Wommy eine noble Distanz und Elfriede poltert dazwischen. Irgendwie sind Elfriede und Wommy wie Yin und Yang und Michael der Kreis, der beides umschlossen hält. Ob er noch die Kontrolle über die beiden eigenständigen Figuren hat, sei dahingestellt. Oh Gott, wir driften ins Philosophische ab …

Welche Fragen mögen Sie denn nicht?

Ob ich denn „die große Operation“ anstrebe oder „Wie gehen Ihre Nachbarn / Eltern / Bekannte / Freunde mit Ihrer Neigung um“. Dass das auf der Bühne nur eine Rolle ist, ein Spiel mit den Geschlechtern, präsentiert von einer Figur, die zwischen den Geschlechtern steht, kommt bei der Presse oft nicht an. Da wird in den Rezensionen gerne tief in die Klischee-Kiste gegriffen. Oder der Klassiker „Ob Mann oder Frau, wer weiß es genau?“. Wer das bei meiner Körpergröße, meiner Stimmlage, meinen breiten Schultern und meiner Plastikfrisur nicht weiß, der führt sicherlich ein sehr spezielles Leben. Ich bin kein Damenimitator, sondern Kabarettist und nutze die Kunstfigur, um allen Geschlechtern gleichzeitig was einschenken zu können.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Ich liebe mein Publikum, und es gibt mir die Liebe zurück. Das ist seit mehr als 35 Jahren eine Symbiose, für die ich unendlich dankbar bin. Frl. Wommy Wonder ist – mit Schuhen und Perücke – 2,42 Meter groß. Zu wem blickt sie auf?   Im übertragenen Sinn blicke ich zu Persönlichkeiten auf, die in sich stimmig sind und sich nicht verbiegen lassen, oder die in ihrem Leben Brüche meistern und dabei Mensch bleiben. Dalida zum Beispiel, die letzten Endes aber doch an der gefühlten Untrennbarkeit von privater und öffentlicher Person zerbrach. Oder geradlinige Menschen wie Bette Midler, die sich schon für Randgruppen einsetzte, als das noch berufliche Nachteile nach sich zog. Dafür werde ich sie immer auf ein Podest heben. Ebenso imponieren mir Menschen voller Weisheit wie Marianne Sägebrecht und Ruth Maria Kubitschek. Oder grandiose Liedermacher wie Udo Jürgens und integre Menschen mit Tiefgang wie die hochgeschätzte Kollegin Lilo Wanders alias Ernie Reinhardt.

Gibt es etwas, das Sie den SpardaWelt-Lesern besonders gerne mitteilen möchten?

Jaaa! Kommt zu uns in die Theater, lasst euch vom Alltag ablenken, informiert euch auf www.wommy.de über Termine – und lebt das Leben unter dem Motto „Lachen ist die letzte Waffe, die uns bleibt, wenn wir alles andere zum Heulen finden“. Hört sich an wie von Goethe, ist aber von mir …

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