2000 Menschen denken mit

Für die "Ulmer Denkanstöße" interessierten sich im März mehr als 2000 Besucher. Das Thema hieß diesmal „Einsamkeit“ — und geht uns alle etwas an.

Mehr als 2000 Besucherinnen und Besucher haben mitgedacht: Ein im wahrsten Wortsinn „voller Erfolg“ waren in diesem Jahr wieder die „Ulmer Denkanstöße. Die Veranstaltungsreihe wurde von 13. bis 16 März zum zwölften Mal gemeinsam von der Stadt Ulm und ihrer Universität sowie der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg ausgerichtet. Alle Vorträge, Diskussionen und Kulturbeiträge kreisten diesmal um das Thema Einsamkeit. Das Phänomen wurde aus seinen unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, die ebenso schrecklich wie erhellend sein können.

Was dafür spricht, sich fern von anderen Menschen aufzuhalten, erklärte etwa der Lehrbeauftragte der Universitäten Ulm und Regensburg Dr. Dr. Placidus Heider, der über die selbstgewählte Einsamkeit der Mönche sprach. Auch der Zimmerermeister und Dozent Welf Kaufmann hat auf seiner Wanderschaft als Geselle reichlich Einsamkeitserfahrungen gesammelt. Für Extremkletterer Alexander Huber ist Einsamkeit schon fast ein Lebenselixier: Er berichtete über das erhabene Gefühl, auf freier Höhe mit Welt allein zu sein.

 

Wenn Einsamkeit bedrückt

Doch erheblich häufiger ist die ganz alltägliche Einsamkeit, die nicht nur für sozial schwache und ältere Menschen zur traurigen Realität wird. Die Gründerin des Münchner Vereins „Lichtblick Seniorenhilfe“ Lydia Staltner entwarf ein bedrückendes Bild von den Alten, die mitten in unserer Gesellschaft vereinsamt in ihren Wohnungen sitzen, oder gar in Pflegeheimen, wo sie niemand gerne besucht. Direkte Begegnungsmöglichkeiten in städtischen Wohnblocks schaffen möchte darum die Augsburger Künstlerin und Architektin Juliane Stiegele, die Projekt „Opendot“ vorstellte.

 

Zwei „Knastologen“ auf der Bühne

Zu den Besonderheiten der Ulmer Denkanstöße zählt es, dass dort auch umstrittene Referenten ein Podium finden. So hatten der ehemalige Top-Manager Thomas Middelhof und der Ex-Chefarzt Vinzenz Mansmann viel über die erzwungen Form der Einsamkeit zu berichten: Beide saßen wegen betrügerischer Machenschaften mehrere Jahre im Gefängnis.

 

Die Konfrontation mit sich selbst, die mit Einsamkeit einhergeht, konnten die Besucher beim Dunkelkonzert mit dem Cellisten Milan Vrsajkov und dem Percussionisten Jürgen Grözinger am eigenen Leib spüren: Rund 40 Minuten spielten die beiden Musiker für das Publikum im Ulmer Stadthaus in absoluter Finsternis. Eine Herausforderung, die sich als größer erwies, als so mancher der Besucher dieser ungewöhnlichen Darbietung dachte.

 

Spenden für die Ulmer Vesperkirche

Der Zutritt zu allen Veranstaltungen auf dem reichhaltigen Programm war wie immer kostenlos. Spendengelder kamen der Ulmer Vesperkirche zugute, die sich in mehreren Projekten für einsame, alte Menschen engagiert.