Das Darknet – der böse Zwilling des Internet?

Alle reden über das Darknet. Aber was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? SpardaSurfSafe klärt auf – und zeigt, dass das „dunkle Netz“ auch nützliche Seiten hat.

Das Darknet – der böse Zwilling des Internet?

Neben dem sichtbaren Internet, das wir alle kennen und das die meisten Menschen täglich nutzen, existiert noch ein anderes, verborgenes Netzwerk. Vom sogenannten Darknet haben die meisten Menschen zwar mittlerweile gehört, waren damit allerdings noch nicht in Berührung gekommen. Denn über einen normalen Browser oder eine der bekannten Suchmaschinen ist es überhaupt nicht zugänglich. Hinzu kommen all die Gerüchte über zwielichtige Verkaufsplattformen, Auftragsmörder und geheime Chaträume, die viele davon abhalten, das Darknet zu besuchen. Doch ist es dort wirklich so gefährlich? SpardaSurfSafe, eine Initiative der Stiftung Bildung und Soziales der Sparda-Bank Baden-Württemberg, klärt auf.


Die meisten Menschen sind heutzutage permanent online. Das Internet gehört selbstverständlich zum Alltag dazu. Doch das, was wir als „das Internet“ bezeichnen, ist eigentlich nur ein kleiner Teil dessen, was im Netz verfügbar ist. Neben den jederzeit auffindbaren Seiten existieren tausende, die eben nicht durch Suchmaschinen gefunden werden können, wie beispielsweise bestimmte Verzeichnisse oder Regierungsdaten. „Man kann sich die Gesamtheit des Internets als eine Art Eisberg vorstellen. Über der Wasseroberfläche sehen wir das, was wir als Internet kennen und nutzen. Unter Wasser jedoch ist der Eisberg mindestens genauso groß und für uns nicht ohne weiteres sichtbar. Diesen Bereich bezeichnen wir als das Deep Web und hiervon macht einen kleinen Teil wiederum das Darknet aus“, verdeutlicht Götz Schartner vom Verein Sicherheit im Internet, einem der Mitveranstalter von SpardaSurfSafe.


Um das Darknet zu betreten, benötigt man einen TOR-Browser. TOR steht dabei für The Onion Router, denn im Darknet läuft ein Großteil der Kommunikation über ein sogenanntes Onion-Netzwerk. So stellen die Akteure sicher, dass sie anonym bleiben, denn die Daten werden mehrfach umgeleitet, bis sie schließlich zur gewünschten Webseite im Inneren der „Zwiebel“ gelangen. Die Installation eines TOR-Browsers ist nicht komplizierter als bei einem normalen Browser, denn er basiert auf dem Code von Firefox. Die Adressen der Webseiten sehen im Darknet jedoch völlig anders aus als im frei zugänglichen Teil des Internets. „Oft bestehen die Adressen aus ellenlangen Zeichenfolgen. Wer da nicht weiß, wo er hinwill, wird die entsprechenden Seiten ohne Hilfe nie finden. Es gibt aber auch Wikis und Link-Sammlungen, deren Adressen sich durch eine Suche im Tor-Browser finden lassen“, erklärt Schartner.


Doch wer nutzt das Darknet eigentlich? Entwickelt wurde es von der US-Navy, um zu verhindern, dass geheime Kommunikation abgefangen werden kann. Da sich auch der Standort der Gesprächspartner im Darknet verschleiern lässt, zählt das US-Militär auch heute noch zu den Hauptnutzern der Technik. Auch Journalisten, politische Aktivisten und Blogger setzen auf das Darknet, insbesondere in Gegenden, in denen eine falsche Äußerung über das regierende Regime Gefängnis oder gar den Tod bedeuten kann. Hinzu kommt, dass sie sich hier anonym mit Whistleblowern und Informanten austauschen können. „Wir sehen, dass ein Großteil der Nutzer des Darknets überhaupt nicht so zwielichtig ist, wie Medien und Schlagzeilen uns weismachen wollen. Aber natürlich gibt es auch diesen anderen, gefährlicheren Teil, in dem Kriminelle sich tummeln und die Vorteile der Anonymität für ihre Machenschaften ausnutzen. Dort findet man Marktplätze für fast alles, von Waffen und Drogen über Snuff Videos und illegale Pornographie bis hin zu Menschenhandel und Auftragsmördern. Da die Zahlungsströme fast immer über Kryptowährungen wie den Bitcoin abgewickelt werden, bleiben Käufer und Verkäufer anonym“, warnt Schartner. Der Experte rät dazu, sich von diesem Bereich fernzuhalten, denn dort ist es tatsächlich äußerst gefährlich.