Das Leid mit dem Null-Leitzins

Geringe Gewinne durch Zinsmargen und Strafzinsen, die sich so gut wie nicht vermeiden lassen: Für die Geschäftsbanken in Europa wird die Lage langsam brenzlig.

Unser Finanzsystem steht Kopf

Unser Finanzsystem steht Kopf

Wer Geld auf sein Sparkonto einzahlt, erhält dafür Zinsen. Wer Schulden macht, muss Zinsen bezahlen. Dieses Prinzip galt über hunderte von Jahren. Bis es sich 2016 quasi ins Gegenteil umkehrte. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null Prozent gesenkt hat, kostet es kaum noch etwas, Kredite aufzunehmen. Fleißige Sparer*innen müssen dagegen Verluste hinnehmen, da die Zinsen auf ihr Geld – so überhaupt noch welche gezahlt werden – die Inflationsrate bei weitem nicht ausgleichen.

 

Was ist eigentlich dieser Leitzins?

Vereinfacht gesagt bestimmt die EZB, wie viel Geld in den Ländern der EU im Umlauf ist. Sie gibt die Scheine und Münzen aus, die Sie im Geldbeutel haben. Verteilt wird dieses Geld, indem es die EZB an die Geschäftsbanken zu einem von ihr festgelegten Zinssatz verleiht. Genau dieser Zinssatz wird als Leitzins bezeichnet.

 

Verschuldete Staatshaushalte profitieren

Auslöser für das aktuelle Allzeittief des Leitzinses war die Finanzkrise zwischen 2007 und 2008. Die Maßnahme sollte unter anderem die Staatshaushalte der EU-Länder schützen: Da sie bekanntlich am meisten Schulden generieren, sparten sie seither schon zig Milliarden Euro an Zinszahlungen.


Eine Anhebung des Leitzinses könnte zur Zeit folglich ganze Volkswirtschaften ruinieren. Zum Ankurbeln der Wirtschaft sollen auch Unternehmen von dem billigen Geld profitieren. Davon wird allerdings besonders in Deutschland wenig Gebrauch gemacht, da sich die meisten Unternehmen hierzulande selbst finanzieren können.

 

Zinsmarge wird immer geringer

Verlierer dieser Finanzpolitik sind nicht nur die Sparer, sondern auch die Geschäftsbanken. Allen voran die Genossenschaftsbanken, die das Geld ihrer Kunden nicht für riskante Anlagemodelle verwenden. Sie verdienen ausschließlich an der sogenannten Zinsmarge: Der Differenz zwischen dem Zins, den sie für Spareinlagen ihrer Kunden bezahlen und dem Zins, den sie für die Vergabe von Krediten und Darlehen an ihre Kunden erhalten. Bei einem Leitzins von null Prozent kann man sich leicht ausrechnen, dass es mit dieser Marge nicht mehr sehr weit her ist.

 

Durch kluges Wirtschaften und eine schlanke Struktur kann die Sparda-Bank BW auch in diesen schwierigen Zeiten bestehen. Nur: Ewig darf es so nicht weitergehen. Damit die EZB den Leitzins gefahrlos wieder anheben kann, ist vor allem eines wichtig: Die Regierungen der EU-Mitgliedsländer müssen Reformen anpacken und ihre Haushalte in Ordnung bringen. Aber dazu besteht wenig Anreiz, solange Schulden so „billig“ bleiben. Ein Teufelskreis, dessen Ende schwer absehbar ist.

 

Warum zahlen Banken Strafzinsen?

Alle Geschäftsbanken haben ein Konto bei der EZB. Die Gelder, die dort liegen, dienen ihnen als Reserve, etwa für kurzfristige Kreditauszahlungen. Für alle Beträge, die zwangsläufig auf dem Konto übrig bleiben, weil sie mangels Nachfrage nicht in Form von Darlehen oder Krediten an Kunden vergeben werden konnten, werden von der EZB aktuell 0,5 Prozent „Strafzinsen“ erhoben. Rutscht so ein Konto wiederum ins Minus, müssen sich die Banken von der EZB Geld ausleihen und zahlen dafür den sogenannten Spitzenrefinanzierungssatz von aktuell 0,25 Prozent. Gewissermaßen ist auch das ein Strafzins.

 

Die Anlagespezialisten Ihrer Sparda-Bank beraten Sie gerne, wie Sie auch in dieser Niedrigzinsphase Ihr Geld gewinnbringend anlegen können. Vereinbaren Sie einfach online unter sparda-bw.de oder telefonisch unter 0711/2006 3801 einen Termin.