Google kennt dich gut!

Google ist einer der hungrigsten Datenkraken weltweit. Können wir uns dagegen wehren? SpardaSurfSafe hat sich die Faktenlage genauer angesehen.

Google ist einer der hungrigsten Datenkraken weltweit.

Die meisten Smartphones weltweit laufen mit Googles Betriebssystem Android. Allein in Deutschland erreichte Android Ende 2018 einen Marktanteil von über 75 Prozent. Weltweit sind es sogar mehr als 85 Prozent. Und jeder Nutzer benötigt zwingend einen Google-Account. Zig Millionen Menschen sind dazu täglich mit Googles Browser Chrome und Google Maps im Internet unterwegs, schauen Google Photos und „googeln“, was das Zeug hält. Sie räumen Zugriffsgenehmigungen ein, teilen Konsumerfahrungen mit Freunden und Fremden im Netz. Diese unendliche Mengen an Daten sind die Währung, mit der wir die vermeintlich kostenfreien Dienste bezahlen: Google-Mutterunternehmen Alphabet sammelt das wertvolle Wissen über uns fein säuberlich, nutzt es für zielgerichtete Werbung und verkauft es weiter.

Suchanfragen sind verräterisch
Es sind unglaubliche Datenmengen, die Google allein bei den Nutzern von Android-Handys erheben kann. Sie reichen von genauen Standort- und Bewegungsprofilen über Vorlieben beim Essen, bei der Freizeit- und Urlaubsgestaltung bis hin zum Beziehungsstatus. Welche Krankheiten jemand hat oder ob eine Frau Nachwuchs erwartet und noch unendlich viel mehr, erkennen intelligente Algorithmen anhand der Sucheingaben und des Einkaufsverhaltens locker. „Wer seine Nutzerkonten geräteübergreifend nutzt oder die Cloud-Services in Anspruch nimmt, liefert noch zusätzliche Daten“, warnt Götz Schartner vom Verein Sicherheit im Internet e. V., einem der Mitveranstalter von SpardaSurfSafe. Die meisten Menschen gingen im Netz viel zu freigiebig mit persönlichen Informationen um: „Sie wissen überhaupt nicht, wer welche Daten wofür erhebt, speichert und nutzt.“

Profil-Einstellungen prüfen!
Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, den Datenhunger der Technik zumindest einzuschränken, auch wenn das mit einigem Aufwand verbunden sein könne. „In den Profileinstellungen von Google können die Nutzer unter ‚Meine Aktivitäten‘ nachvollziehen, welche Daten erhoben werden. Hier gibt es auch einen Verlauf, in dem man sehen und teilweise sogar hören kann, welche Eingaben und Befehle Google gespeichert hat“, so der Experte. Besonders Bewegungsprofile und Standortdaten seien von Interesse. Unter ‚Daten & Personalisierung‘ könnten Nutzer außerdem die Datenschutz- und Aktivitätseinstellungen prüfen, personalisierte Werbeeinstellungen festlegen, Daten herunterladen und gegebenenfalls löschen. Eine gute Idee sei es auch, auf den Geräten die Standortverfolgung zu deaktivieren.

„Recht auf Information“
„Nach der Datenschutz-Grundverordnung haben Nutzer das Recht zu erfahren, welche Daten erhoben, wo diese gespeichert und wie sie genutzt werden“, klärt Schartner auf. Auch ein Widerspruchsrecht sei gesetzlich verankert. In der Praxis funktioniere das jedoch nicht immer. Erst im vergangenen August hätten Sicherheitsforscher nachweisen können, dass Google trotz Widerspruch in den Konteneinstellungen weiter Standortdaten erhebt. Darüber hinaus kommuniziere ein Android-Gerät auch im Ruhezustand mehrmals pro Stunde mit den Google-Servern.

Wie weitreichend die Kontrollmöglichkeiten für Android-Nutzer also tatsächlich sind, wisse wohl nur Alphabet selbst. Trotzdem rät der Sicherheitsexperte, die eigenen Daten regelmäßig in den Einstellungen zu überprüfen — und ansonsten so sparsam wie möglich mit persönlichen Informationen im Netz umzugehen.