Gesellschaftliches Engagement

Martin Hettich im Interview: „Eigentlich wollte ich Landschaftsgärtner werden“

Seine Beziehung mit der Sparda-Bank hat das Schwabenalter erreicht: 40 Jahre arbeitete Martin Hettich für die Genossenschaftsbank in Baden-Württemberg. Als Vorstandsvorsitzender war er ab 2014 der Mann an der Spitze des Unternehmens. Nun reicht der 61-Jährige den Staffelstab weiter. Im Interview spricht er über den Mut zur Veränderung, Herzensprojekte und überraschende Erfahrungen. 


Herr Hettich, welche Erinnerungen haben Sie an Ihren ersten Tag bei der Sparda-Bank?

Ich habe gleich zwei erste Eindrücke. Das war zum einen im November 1983 mein Vorstellungsgespräch als Mitarbeiter der Sparda-Filiale Freiburg, die neu eröffnet werden sollte. Diese erste Begegnung war prägend. Die drei Herren, die mir da im Freiburger Hotel Victoria gegenübersaßen, haben mir die Ziele der Bank eindrucksvoll beschrieben. Ich war erstaunt, dass für einen einfachen Kundenberater, als der ich mich beworben hatte, fast der komplette Vorstand der Sparda-Bank Karlsruhe erschienen war. Der andere erste Tag war die interne und überraschend familiäre Weihnachtsfeier, nachdem ich die Zusage bekommen hatte. Für mich verlief der Abend recht verblüffend, weil mir da eröffnet wurde, dass ich die neue Freiburger Filiale gleich leiten darf. Und das mit gerade mal 21 Jahren! Aber wie man heute weiß, ist die Sache ja gut gegangen.


War Banker Ihr Traumberuf?

Ich bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen. Dort hatte ich ein Gartenstück, das ich mit viel Freude bewirtschaftet habe. Eigentlich wollte ich Landschaftsgärtner werden. Wegen einer Hörbeeinträchtigung hat das zu meinem Kummer aber nicht geklappt. Bei einem Eignungstest kam zu meiner Verwunderung Bankkaufmann oder Steuerberater heraus. So wurde ich Azubi bei der kleinen Raiffeisenbank in meinem Heimatort. Man hat mir dort von Anfang an viel Verantwortung übertragen. Da dachte ich, das könnte vielleicht doch ein Beruf sein, der Spaß macht.


Was hat Sie später bewogen, für die Sparda-Bank zu arbeiten?

Unser Geschäftsmodell fand ich von Anfang an total cool. Kostengünstiger Zahlungsbegleiter sein, das ist ein wichtiger Teil des Förderauftrags. Außerdem nehmen wir das Geld unserer Kundschaft nicht, um damit an den Börsen der Welt herumzuspekulieren. Unser klarer Fokus ist, diese Einlagen sicher zu verwahren, hauptsächlich bei uns oder bei unserem Partner Union Investment. Vor allem geben wir unseren Kundinnen und Kunden mithilfe dieser Einlagen faire und günstige Möglichkeiten, Immobilien zu erwerben. Das schaffen wir wie keine zweite Bank in Deutschland. Wohnen ist ja ein zentrales menschliches Grundbedürfnis. Was mich auch fasziniert hat, ist die klare Fokussierung auf Privatkunden. Diese Expertise haben andere Banken so nicht.


Welches waren Ihre prägenden Entscheidungen als Verantwortungsträger bei der Sparda-Bank?

1990 wurde ich Bereichsleiter für alle Filialen der Sparda-Bank Karlsruhe und konnte meine Leidenschaft für Optimierungen im Bereich der Kundenbetreuung entwickeln. Als Erstes haben wir zum Beispiel zehn Formulare für den Prozess der Kontoeröffnung zu einem einzigen Formular zusammengefasst. Das galt damals als ziemlich mutig. Für die Kolleginnen und Kollegen erwies sich das aber als große Erleichterung und für die Kundinnen und Kunden als deutlich übersichtlicher. Die Entbürokratisierung hat mich dann leidenschaftlich gepackt.

Martin Hettich lächelt freundlich in die Kamera und hält seine Brille in der Hand.



Mit Entbürokratisierung meinen Sie vor allem Digitalisierung?

Ich habe immer gesagt: Macht’s einfacher, macht’s digitaler, macht’s sofort umsetzbar. Wir haben bereits in den 90er Jahren entscheidende digitale Prozesse angestoßen, auch in Zusammenarbeit mit anderen Sparda-Banken. Dazu gehörte unter anderem die Digitalisierung unseres Baufinanzierungsprozesses. Das war eine echte Herausforderung und ein Riesenschritt nach vorne. Zuletzt kam TEO, die neue Banking-App. Da war ich anfangs vielleicht etwas zu mutig. Aber zusammen mit dem IT-Dienstleister Comeco haben wir nach einigen Startschwierigkeiten eine richtig gute Anwendung geschaffen. Auch hier wird die Entwicklung voranschreiten. Es ging mir stets um spürbare Verbesserungen für unsere Kundschaft, für unsere Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter und den Gesamtprozess im Unternehmen. So gesehen war ich Landschaftsgärtner im übertragenen Sinn.

Gab es noch andere Projekte, die Ihnen bis heute besonders am Herzen liegen?

Mich hat es sehr beschäftigt, wie eine Bank nicht nur ihre grundlegenden Aufgaben erfüllen, sondern einen Mehrwert schaffen kann für die Region, in der ihre Mitarbeiterschaft und ihre Kundschaft zu Hause sind. Da ist unser Gewinnsparverein eine wunderbare Möglichkeit, Verbesserungen umzusetzen, für die Umwelt, für die Ausbildung, im kulturellen Bereich. Wir erleben ja, dass staatliche Unterstützung immer schwieriger zu organisieren ist und so manche gute Idee untergeht. Darum haben wir viele Projekte neu geboren.  Und wir haben uns von der Hochkulturförderung deutlich mehr in den Kinder- und Jugendbereich hinein umorientiert. Ich glaube, wir müssen die Entwicklung junger Menschen zu selbstbewussten Persönlichkeiten unterstützen, damit unsere Demokratie weiterleben kann. Dazu gehören Bildung, Verständnis für die Natur, ein gutes Sozialverhalten, ein gutes Wertegerüst und Sport. In den zehn Jahren, in denen ich Vorstandsvorsitzender war, wurden rund 4.000 solcher Projekte gefördert.


Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir leben in einem reichen Land, und trotzdem gibt es auch hier Not. Zuletzt hat mir der Besuch bei einer Hilfsorganisation für Straßenkinder in Stuttgart nachdrücklich klargemacht, wie wichtig es für unsere Bank und auch für mich persönlich ist, bodenständig zu bleiben und Basisarbeit zu leisten.


Wie geht es nach dem Abschied von der Bank für Sie weiter?

Als Führungskraft war ich 40 Jahre lang für andere zuständig. Jetzt freue ich mich auf einen Lebensabschnitt, in dem ich mich um mich selbst kümmern darf. Mitarbeiterentwicklung war mir allerdings immer ein leidenschaftliches Anliegen. Das kommt nun dadurch zum Ausdruck, dass die Nachfolge im Vorstand in den nächsten Jahren mit internen Kräften geregelt werden kann. Das ist nicht selbstverständlich und freut mich sehr.


Herr Hettich, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und wünschen Ihnen für die
Zukunft alles erdenklich Gute!

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